Fahndungen

Kann ein Jugendlicher den Staat austricksen?

Köln (Eigener Bericht). - Der junge Mann sieht verdächtig aus. Die beiden Bundespolizisten treten an ihn heran. „Guten Abend.” Die Beamten möchten die Papiere des Mannes sehen … Es ist der letzte Montagabend im Mai 2017; wir befinden uns am Breslauer Platz hinter dem Kölner Hauptbahnhof, und der von den Beamten kontrollierte junge Mann kann keine Papiere vorweisen. Die Bundespolizisten fragen nach seinen Reiseabsichten. Die Verständigung ist schwierig. Denn der junge Mann kann kein Deutsch; er spricht französisch, gibt an, gerade erst wieder nach Deutschland eingereist zu sein.

Die Bundespolizei hat keine Ahnung, ob der junge Mann illegal eingereist ist

Die Bundespolizei hieß früher Bundesgrenzschutz, ihre Aufgabe ist der Schutz von Deutschlands Grenzen. Also bitten die Beamten den jungen Mann zur Dienststelle, nehmen Fingerabdrücke, stellen mit Fast-ID die Identität fest:

Farid ist 17 Jahre alt. Er ist Afrikaner, kommt aus Algerien. Er gilt als vermisst, ist zur Fahndung ausgeschrieben. Er war im Jahr 2014 nach Deutschland gelangt, ist im selben Jahr untergetaucht. Nun ist Farid also wieder da.

Farid erzählt, dass er nach seinem Untertauchen „längere Zeit in Italien” gelebt und dort die Schule besucht habe. Aber er habe Probleme in der italienischen Schule bekommen und sich deswegen wieder auf den Rückweg nach Deutschland gemacht.

kriminal.report fragt bei der Bundespolizei nach, ob Farid Asylbewerber ist. Denn wenn er kein Asylbewerber ist, wäre Farid bereits zum zweiten Mal illegal nach Deutschland eingereist und das müsste verfolgt werden. Gegenüber kriminal.report erklärt die Bundespolizei, die für den Grenzschutz zuständig ist, zur Zeit keine Erkenntnisse darüber zu haben, ob der jugendliche Algerier illegal eingereist sei. Die Bundespolizei habe bisher nicht nachgeforscht, ob Farid illegal eingereist sei.

Die Bundespolizei zu kriminal.report: „Die Kriminalpolizei Köln übernimmt die weiteren Ermittlungen.” - Der Jugendliche wurde in eine Jugendeinrichtung der Stadt Köln gebracht. Könnte er von dort aus gleich wieder untertauchen?

„Aufhalten können wir ihn nicht”, sagt die Sprecherin der Bundespolizei. Dann würde womöglich wieder nach Farid gefahndet werden. Es entsteht der Einruck eines steuergeldteuren Kreislauf. Der Staat scheint sich in eine Sackgasse manövriert zu haben. Lässt er sich vorführen? Von einem Jugendlichen.

PS: In Deutschland leben 220.000 minderjährige Flüchtlinge, so die letzten belastbar verfügbaren Zahlen. Quelle: „Kinder auf der Flucht. Minderjährige Flüchtlinge in Deutschland. Von Steffen Angenendt im Auftrag von UNICEF”, Seite 11. - Im Jahr 2016 kamen 35.900 „unbegleitete Minderjährige” neu nach Deutschland. Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

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Zum Schutz der Identität des nach Auskunft der Bundespolizei minderjährigen Jugendlichen ist sein Name geändert.

Das Foto hat die Bundespolizei zur Verfügung gestellt. Es ist ein Symbolbild.