Verbrechen

Prügeltoter Niklas Pöhler (17): Jetzt schreibt die Oma einen zu Herzen gehenden Brief

Bonn (Eigener Bericht). - Erinnert sich noch jemand an Niklas Pöhler? Er starb mit 17 Jahren. Einen sinnlosen Tod, bevor das Abenteuer des Lebens so richtig Fahrt aufgenommen hatte. Der Mann, der Niklas totgeschlagen, genauer: totgetreten hat, ist weiterhin frei. Gerade endete das Gerichtsverfahren gegen einen Verdächtigen mit Freispruch, da schreibt die Oma von Niklas Pöhler einen zu Herzen gehenden Brief, der zudem brennende Fragen zur Korrektheit der Tatortermittlungen stellt. Doch der Reihe nach:

Was genau ist passiert und wo ist es passiert? Tatort ist Bonn, Stadtteil Bad Godesberg. Bonn war Hauptstadt dr Bundesrepublik Deutschland vor der Wiedervereinigung. Hier wurde der weltberühmte deutsche Komponist Ludwig van Beethoven geboren. Bad Godesberg war der feinste Stadtteil der Regierungsstadt. Hier wohnten die Diplomaten und das hohe Bürgertum. - Sie wohnten hier. Die Vergangenheitsform ist richtig gewählt.

Denn der Stadtteil hat einen beispiellosen Abstieg hinter sich. Innerhalb weniger Jahre veränderte sich das Straßenbild, das Sicherheitsgefühl - und das Geschäftsmodell. Hunderte Araber lassen sich mittlerweile jedes Jahr in Bonner Kliniken operieren. Das treibt die Immobilienpreise, Hausbesitzer machen Kasse, verkaufen an Araber. Im Stadtbild sieht man immer mehr verschleierte Frauen. Die Einheimischen ziehen sich zurück, wandern in Nachbardörfer ab. Die Sicherheitslage erodiert, besonders wenn es dunkel wird. Öffentlich spricht kaum einer darüber, in den Familien aber ist es Tischgespräch.

Der Polizeisprecher Frank Piontek erklärte öffentlich, dass immer wieder Banden Jugendlicher in kurzer Zeit sehr viele Straftaten begehen: "Meist klassische Straßenkriminalität: Körperverletzungen, Straßenraubdelikte, Handy-Abziehereien beispielsweise." Das Bürgertum verschwindet. Ein Feinkostladen schließt, ebenso ein exklusives Porzellangeschäft. Es eröffnen Dönerläden, Ein-Euro-Shops. - Der 17-jährige Niklas Pöhler ist in diesem Umfeld am Freitag, den 6. Mai 2016, in der Nacht auf dem Heimweg von einer Veranstaltung. Da trifft er auf seinen Totschläger.

Niklas Pöhler wird von mehreren jungen Männern umringt. Es gibt einen Wortwechsel, dann ein Handgemenge. Niklas Pöhler erhält einen überraschenden, harten Schlag gegen die Schläfe und geht bewusstlos zu Boden. Der Täter tritt nach, gegen den Kopf von Niklas. Zeugen beobachten alles.

Ein Notarzt kann den 17-Jährigen reanimieren. Eine Woche später stirbt Niklas im Krankenhaus an seinen Verletzungen. Der Vorfall bewegt Menschen in ganz Deutschland. Doch die Ermittlungen sind begleitet von Merkwürdigkeiten. Zeugenbeschreibungen deuten darauf hin, dass drei Angreifer einen Migrationshintergrund haben. Ein Fahndungsplakat wird in arabischer und türkischer Sprache ausgehängt. Der 20-jährige Walid S. wird festgenommen, bestreitet die Tat. Blutspuren von Niklas Pöhler werden an einer "geliehenen" Jacke gefunden, die mit Walid S. zusammenhängt. Roman W. wird als zweiter Tatverdächtiger festgesetzt, kommt wieder frei, verprügelt dann einen 29-jährigen Zeugen des Totschlags von Niklas Pöhler. Minutenlang wird der Zeuge an Kopf und Körper getroffen, erleidet Prellungen, Schürfwunden am Kopf und in der Nierengegend. Die Staatsanwaltschaft spricht von Lügen und Einschüchterungen.

Am 3. Mai 2017 wird Walid S. freigesprochen. Ihm ist keine Schuld nachzuweisen. Der Tod von Niklas Pöhler bleibt ungesühnt. Jetzt schreibt die 77-jährige Oma von Niklas Pöhler einen handschriftlichen Brief. Er beginnt: "Als Oma meines Enkels Niklas, der im vergangenen Jahr einen so grauenhaften und sinnlosen Tod ..." Der Brief geht zu Herzen. Ein junger Mensch ist aus dem Leben gerissen worden. Chancen sind ausgelöscht worden. Die Familie ist für immer beschädigt.

"Wie würdelos ist man in der Urteilsfindung mit seinem Tod umgegangen", schreibt die Großmutter, die in Aachen lebt. Sie wirft Fragen auf: "Wo sind die DNA-Abgleiche der Schuhe, die Niklas nach dem fürchterlichen Faustschlag fast tot am Boden liegend noch ins Gesicht getreten haben ..." Die Großmutter ist Medizinisch-Technische Assistentin gewesen. Eine Fachfrau, die weiß, wovon sie spricht. Die DNA-Spuren der Schuhe des mutmaßlichen Täters sind bei dem Verfahren nicht berücksichtigt worden? Die Großmutter am Telefon über ihren toten Enkel: "Ich habe das Bedürfnis, etwas für ihn zu tun."

Die Illustration ist ein Symbolfoto. Die Illustration zeigt nicht Niklas Pöhler.